Der Ursprung von digitalem User Experience Design – Eine Zeitreise

Veröffentlicht am 05. Januar 2020

Julian

Sie umfasst die gesamte Bandbreite an Interaktion der Endbenutzer mit einem Unternehmen samt den bereitgestellten Services und Produkten – dies ist die gängige Definition eines noch recht jungen Begriffs, welchen wir heute unter User Experience kennen. Doch trotz seiner Jugendlichkeit sind Ansätze der ihm zugrunde liegenden Prinzipien auch außerhalb der digitalen Welt zu finden und bis ins antike Griechenland zurückzuverfolgen. Hier zeugen verschiedene Überlieferungen (u.a. Hippokrates) bereits von ersten Deutungen und Erkenntnissen hinsichtlich der wissenschaftlichen Disziplin, die wir heutzutage als Ergonomie kennen, welche in ihrer Aussage der UX recht nahe- kommt, indem sie die wechselseitige Anpassung sowie Interaktion zwischen dem Menschen und anderen Elementen eines Systems (z.B. Arbeitsplatz und Werkzeuge) beschreibt.

Die Wichtigkeit menschlichen Inputs

In eine ähnliche Richtung ging Anfang des 20. Jahrhunderts der Namensgeber des Taylorismus, Frederick Winslow Taylor. Er führte umfangreiche Untersuchungen zur Interaktion zwischen Arbeitern und ihren Werkzeugen durch, um effizientere Arbeitsplätze zu schaffen. Die Forschungsergebnisse, die er 1911 in seinem Buch „The Principles of Scientific Management“ veröffentlichte, brachten wichtige Erkenntnisse zutage, die auch heute noch in der UX Verwendung finden – wenngleich die durch Taylor propagierte Sichtweise auf den Menschen, der schlicht als ein Teil der Maschine behandelt wird, schon damals zu Recht kritisiert wurde und heute als Inbegriff der inhumanen Arbeitsgestaltung gilt.

Der gegensätzliche Ansatz hierzu kam interessanterweise aus der Automobilindustrie und wurde in den 40er- Jahren von Toyota entwickelt. Das sogenannte Toyota Produktionssystem gab dem Produktionsfaktor Mensch einen neuen, höheren Stellenwert. So ging es nicht nur um die optimale Gestaltung des Arbeitsumfelds, sondern – wenn man so will – um die Emanzipation der Arbeiter: Jeder soll geachtet werden und mündig sein. Die eigentlich inhärente Monotonie des Fließbands wurde durch das Anbringen von läutbaren Schnüren durchbrochen, die den Arbeitern ermöglichten, die Produktion kurzfristig zu stoppen, wenn sie Ideen oder Feedback zur Verbesserung des Prozesses hatten. Der menschliche Input war somit nicht mehr nur Notwendigkeit, sondern galt von nun an als der entscheidende Faktor einer Produktion und wurde aktiv gefördert.

Mitte der 50er tauchte dann eine weitere Schlüsselfigur der UX-Design-Geschichte auf: der amerikanische Wirtschaftsingenieur und Produktdesigner Henry Dreyfuss. Er war quasi ein UX Researcher, bevor es den Begriff „User Experience“ überhaupt gab. So holte Dreyfuss Feedback direkt bei den Nutzern ein und testete Produkte bei Feldversuchen. Für ihn stand die gesamtheitliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Vordergrund, welche er in seinem vielsagenden Buch „Designing for People“ wie folgt auf den Punkt brachte:

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